Der Autor von Ewilan erzählt, wie er fantastische Kreaturen zum Leben erweckt:
„Vor einigen Monaten spricht mich eine charmante Dame an. Sie will eine Gesprächsrunde für Lehrer und Bibliothekare organisieren und möchte mich als Teilnehmer dazu einladen. Das Thema ist sehr vielversprechend und verlockend: „Fabelwesen in der heutigen Jugendliteratur“. Das gefällt mir natürlich, und so nehme ich die Einladung bereitwillig an.
Ich bemühe mich, meinen Beitrag gut vorzubereiten und unterscheide mehrere Kategorien von Fabelwesen. Ich beginne bei regionalen Legenden, die in der Provence Bestien wie die Tarasque, ein drachenähnliches Ungeheuer, hervorgebracht haben. Ich arbeite mich dann weiter vor bis zu allgemein bekannten Mythen und deren Drachen und Vampiren.
Ich habe mich mit den unterschiedlichen Typen fantastischer Literatur beschäftigt, um deutlich zu machen, dass Fantasy-Literatur ohne fantastische Wesen nicht existieren kann.
Entspannt und mit dem sicheren Gefühl, gut vorbereitet zu sein, mache ich mich mit meinen immerhin zehn Seiten Vortrag auf dem Weg zur geplanten Gesprächsrunde. Aber wider Erwarten wird mein Beitrag eine echte Katastrophe.
Ich bin Autor. Und ich schreibe Fantasy-Romane.
Romane, in denen es von befremdlichen Kreaturen nur so wimmelt.
Romane, die offensichtlich ein Publikum gefunden haben und zu meiner großen Freude erfolgreich sind.
Aber das macht mich noch längst nicht zu einem Spezialisten für Fantasy-Literatur. Und erst recht nicht zu einem Kenner jener Kreaturen, die diese Literatur bevölkern. Ich schreibe und bin kein Literaturwissenschaftler, da gibt es eigentlich keinen gemeinsamen Nenner.
Warum schreibe ich dann eigentlich diesen Artikel hier?
